Stadtgründung
Bielefeld ("Biliuelde") wurde im Jahr 1214 vom Ravensberger Grafen Hermann IV. gegründet.
Den Kern der Stadt bildete eine Kreuzung an alten Handelswegen in unmittelbarer Nähe eines
Passes durch den Teutoburger Wald.
Bielefeld entstand als eine der zahlreichen Stadtgründungen im Mittelalter.
Gründungen dieser Art erfolgten in der Regel, um die Herrschaft des jeweiligen Landesherrn
zu sichern. Hermann IV. von Ravensberg plante Bielefeld zugleich als Kaufmannsstadt.
Die Stadtneugründung sollte dazu beitragen, die Wirtschafts- und Finanzkraft des Grafen zu
steigern.
Zahlreiche Kaufleute aus der Umgebung und aus dem benachbarten Münster nutzten die ihnen vom
Landesherrn in der neuen Stadt gebotenen Freiheiten und bestimmten seit dem 13. Jahrhundert
die Entwicklung Bielefelds.
Deutlich ist im heutigen Stadtbild der hufeisenförmige Grundriß der mittelalterlichen
Stadt zu erkennen. Sie war, den mittelalterlichen Erfordernissen entsprechend, mit Mauer und
Wassergraben gesichert. Dadurch war die Stadt, wie in jener Zeit üblich, völlig vom Umland
abgeschlossen.
Der Zugang war nur tagsüber durch die Stadttore möglich. Das mittelalterliche
Stadtbild Bielefelds prägten der Markt als wichtiger Güterumschlagplatz (heute: Alter Markt),
das Rathaus und die Kirche (Altstädter Nicolai-Kirche).
In den vierziger Jahren des 13. Jahrhunderts wurde wohl mit dem Bau der Sparrenburg begonnen.
Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1256.
Die Grafen von Ravensberg machten die Burg zum Verwaltungsmittelpunkt. Sie diente darüber
hinaus auch als Sitz des Amtmannes für das Amt Sparrenberg und als Wohnsitz für den Landesherrn
und sein Gefolge. Die Sparrenburg erfüllte natürlich auch militärische Zwecke.
Zum einen sicherte sie den Schutz des Territoriums, zum anderen den Schutz der Stadtneugründung
Bielefeld.
Den Bielefeldern gegenüber war sie eine Mahnung, die Macht des Landesherrn nicht zu vergessen
und ihm gegenüber nicht übermütig zu werden. Das Aussehen der mittelalterlichen Burg unterschied
sich deutlich vom heutigen Erscheinungsbild. Die Burganlage bestand anfangs lediglich aus einem
45 mal 85 Meter großen Rechteck. Durch eine Quermauer wurde sie in eine Vor- und eine Hauptburg
geteilt. Der Turm stand in der Mitte der Quermauer. Daneben gab es Wohngebäude und Stallungen.
Die noch heute sichtbaren Festungsanlagen wurden erst im 16. Jahrhundert unter der Leitung
des Festungsbaumeisters Pasqualini errichtet. Die massigen neuen Befestigungsanlagen
boten der Burg zeitgemäßen Schutz. Die alte Burganlage hätte einem Beschuß mit Kanonen
nicht mehr standgehalten. An den vier Ecken gab es nun mächtige Rondelle und einen spitzen
Scherpentiner. Die Rondelle verband man paarweise mit unterirdischen Gängen.
Die Gangsysteme mit ihren verschiedenen Räumen können heute teilweise besichtigt werden.
Die Sparrenburg überstand die Wirren des 30jährigen Krieges einigermaßen unbeschadet.
Sie wurde zwar mehrfach belagert, aber nie gestürmt. Mitte des 18. Jahrhunderts begann der
Verfall der Burg. Das immer durchschlagkräftiger werdende Kriegsgerät hatte die Anlage
militärisch nutzlos werden lassen.
Im 19. Jahrhundert begann im Zeichen der "Ruinen" - Romantik der Wiederaufbau. 1879 kaufte die
Stadt Bielefeld die Burganlage für 8.934,90 Mark vom preußischen Staat.
Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten präsentiert sich die Burg heute in einer
imponierenden historischen Gestalt. Bis zum Ankauf gehörte die Sparrenburg nicht zum
Stadtgebiet, doch war beider Werdegang untrennbar miteinander verknüpft.
Das spätmittelalterliche Bielefeld
Bielefeld gehörte nach dem Aussterben der männlichen Linie der Grafen von Ravensberg seit
1346 zum Haus Jütlich-Berg. Die Stadt konnte sich weit ab vom Sitz der neuen Landesherren
ziemlich frei entfalten. Von den großen Fehden und Kriegen des späten Mittelalters blieb sie
glücklicherweise verschont.
In der Stadt lebten vorwiegend Handwerker und Kaufleute. Bielefeld gehört seit dem
15. Jahrhundert der Hanse an, hatte aber keine auffällige Stellung innerhalb des Kaufmannsbundes.
Trotzdem reichten die Geschäftsbeziehungen bis ins russische Nowgorod, eine der heutigen
Partnerstädte Bielefelds.
Das Leinen spielte noch keine Rolle. Erst Ende des 16. Jahrhunderts entwickelte sich die
ländliche Hausspinnerei und -weberei allmählich zu einem berufsmäßig betriebenen Gewerbe.
Leinen wurde zum Exportartikel und Bielefeld zur Leinenstadt. Im Jahr 1502 gründeten
Franziskanermönche ein Waldkloster am Jostberg. Aus unterschiedlichen Gründen, besonders
aber wegen der großen Entfernung zur Stadt, gaben sie diesen Standort auf und fanden zunächst
im Waldhof eine Unterkunft.
Der Bau am Jostberg verfiel bereits zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Heute sind nur noch die
Grundmauern zu sehen. 1511 bezogen die Mönche ein neues Gebäude am heutigen Klosterplatz.
Zur Klosteranlage gehörte unter anderem die Jodokus-Kirche. In ihr ist heute noch als
sehenswerter Kirchenschatz die Bielefelder "Schwarze Madonna" aus der Zeit um 1220 zu
besichtigen.
Die frühe Neuzeit
1648 fielen die Grafschaft Ravensberg und die Stadt Bielefeld an den Großen Kurfürsten
(Friedrich Wilhelm) und damit an Brandenburg. Seit jener Zeit bis zum Jahr 1918 war Bielefeld
Teil des Staates Brandenburg-Preußen.
Zu einem wichtigen Kontrollfaktor und Qualitätsprüfinstrument entwickelte sich die
1652 eingeführte "Legge". In dieser Prüfanstalt untersuchte man die Leinwand auf einwandfreie
Verarbeitung, teilte sie in Kategorien ein und stempelte sie entsprechend.
Trotz guter Qualität geriet das Bielefelder Leinenhandwerk nach 1830 in eine schwere Krise.
Der Grund dafür waren die Konkurrenz der Baumwolle und die in Irland maschinell hergestellten
Garne und Stoffe. Sie konnten billiger auf den Markt gebracht werden. Die heimischen
handgesponnenen und -gewebten Garne und Stoffe konnten mit diesen Preisen und dieser Qualität
nicht mehr konkurrieren. Die finanzielle Not der Weber und Spinner verschärfte sich 1844 durch
eine Ernährungskrise in der Region.
1848 zählte die Stadt Bielefeld 8.150 Einwohner.
Industrialisierung
Das Industriezeitalter ist die Epoche, die das heutige Bielefeld wohl am stärksten geprägt hat.
1847 erhielt Bielefeld die Anbindung an die Köln-Mindener-Eisenbahn. Der Bahnhof wurde für die
damalige Zeit weit entfernt von der Stadt in der nördlichen Feldmark errichtet. Er stand
bereits an der Stelle des heutigen Hauptbahnhofes (1910 errichtet).
Immer wieder findet man den Ausdruck, daß die Bielefelder Wirtschaft am "leinenen Faden"
gewachsen sei. Ein genauerer Blick in die Geburtsstunde der Industrie verdeutlicht die
Bedeutung dieses Ausspruchs.
Der Grad des Erfolges und die Kapazität dieser Fabriken lassen sich eindrucksvoll belegen.
Im Jahr 1870 liefen etwa 11 % aller Spindeln und Webstühle Deutschlands in Bielefeld.
Dennoch: langfristig erwies sich die Textilindustrie als außerordentlich konjunkturabhängig.
Die verwendeten Maschinen mußten anfangs importiert werden. Im Laufe der Jahre wurden jedoch
nach und nach immer mehr metallverarbeitende Fabriken gegründet, in denen die benötigten
Maschinen vor Ort hergestellt wurden. Die Maschinenbauindustrie bildete die Grundlage für
den heute noch bedeutenden Maschinenbaustandort Bielefeld (fünftgrößter Deutschlands).
Beispielhaft für die Entwicklung der Industrie in Bielefeld ist der Werdegang der Dürkopp-Werke.
Nikolaus Dürkopp und Carl Schmidt waren beide als Mechaniker bei den "Koch's Adler Nähmaschinen
Werken" angestellt. Sie verließen die Firma 1867 und gründeten die Nähmaschinenfabrik
"Dürkopp & Schmidt". Als Schmidt nach wenigen Jahren ausschied, fand der Techniker Dürkopp
mit Richard Kaselowsky einen finanzstarken Partner. Die neue Fabrik erweiterte bald ihre
Produktionspalette. Hergestellt wurden unterschiedliche Nähmaschinen, wie. z. B.
Schuhmachermaschinen oder Spezialmaschinen für Gewerbe und Handwerk. Später kamen noch
Fahrräder, Autos, Milchzentrifugen und Ölreinigungsmaschinen dazu.
Nicht nur in der Textilindustrie nahm die Frauenarbeit zu. Dieser Tatbestand führt uns zu einem
zweiten Beispiel für den Aufstieg eines Firmenimperiums. Die Zeit für den Haushalt wurde
immer knapper. Der Apotheker Dr. August Oetker suchte zur Arbeitserleichterung für die
Hausfrauen nach einem leicht handhabbaren Backtriebmittel. Nach einigen Testjahren glückte
ihm Ende des 19. Jahrhunderts der große Wurf.
Mit Hilfe seiner Frau gelang Oetker die Entwicklung des verbrauchsgerechten Backpulvers.
Die genau abgewogene Packung bezog sich auf die haushaltsübliche Menge von 500 g Mehl.
Er verkaufte das Backpulver zunächst per Hand in Tüten abgepackt in seiner Apotheke.
Nach weiteren Verbesserungen und wegen der großen Nachfrage setzte er bald Maschinen zur
Verpackung ein. Die backgerechte Abpackung und die umfassenden Werbestrategien bildeten
die Grundlage für den Erfolg. Die vielfältigen Produkte des Hauses Oetker sind heute im
wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde.
Der Wandel vom Leinenhandelszentrum zur Industriestadt schlug sich natürlich auch im Stadtbild
nieder. Das "neue" Bielefeld vor dem I. Weltkrieg war nun eindeutig von der Industrie geprägt.
Neben Wohngebäuden und Fabriken entstanden so auch ein neues Rathaus und das Stadttheater
(beide 1904).
Wenn jetzt auch Schornsteine die Silhouette der Stadt bestimmten, war Bielefeld doch keineswegs
verschandelt. Man bemühte sich stets, die Luft und das Wasser allein schon wegen der
zahlreichen Bleichen sauber zu halten. Die Stadt wuchs ins Umland. Dabei stieg die
Einwohnerzahl in den Jahren von 1849 bis 1914 deutlich an.
Bereits 1930 hatte das als "rot" geltende Bielefeld als erste deutsche Großstadt einen
nationalsozialistischen Stadtverordnetenvorsteher. Das Jahr 1933 führte die Nationalsozialisten
endgültig an die Macht. Ein Jahr später wurde ein führendes NSDAP-Mitglied Bürgermeister.
Diese Form der "Machtergreifung" unterschied sich kaum von der in anderen Städten.
Typische NS-Bauten entstanden in Bielefeld nicht. Dennoch prägten Hakenkreuz, braune
Uniformen und typische NS-Feiern immer wieder den Alltag der Stadt.
Am 10. November 1938 brannte die Bielefelder Synagoge in der Turnerstraße nieder.
Sie wurde ein Opfer der von den Nazis inszenierten Pogromnacht ("Reichskristallnacht").
Krieg und Wiederaufbau
Die ersten Bomben auf Bielefeld fielen bereits im Juni 1940. Dabei hielten sich die
Schäden zunächst in Grenzen. Die schwersten Angriffe trafen das Zentrum im Jahr 1944.
Besonders beim Luftangriff am 30. September wurden viele Gebäude in Schutt und Asche gelegt.
Bielefeld brannte. Schwarzer Rauch und roter Feuerschein waren weit ins Umland sichtbar.
Der Großteil der historischen Gebäude in der Altstadt fiel den Bomben zum Opfer. Über 600
Todesopfer waren alleine nach diesem Luftangriff zu beklagen. Mehr als 1.300 Menschen kamen
während des Krieges in Bielefeld durch Bomben ums Leben. Am 4. April 1945 wehte vom Bielefelder
Rathaus die weiße Fahne. Die Amerikaner nahmen an diesem Tag die Stadt ein. Der Widerstand
der Bielefelder war nicht nennenswert. Es kam lediglich zu vereinzelten Schußwechseln.
Bei der Besichtigung der Kriegsschäden stellte sich die Frage: historischer Wiederaufbau
oder moderne Neugestaltung. In Bielefeld entschied man sich halbherzig für den zweiten Weg.
Im Rahmen des Wiederaufbaus blieben nur wenige historische Gebäude erhalten. Verbreiterte
Straßen und dringend benötigter Wohnraum prägten diese Phase. Bielefeld erhielt ein neues
Gesicht.
Bemerkenswert war der schnelle Aufbau der Industrie. Die altverwurzelte Struktur der
Bielefelder Kaufmannschaft in Verbindung mit dem nötigen Organisationsgeschick sorgte
dafür, daß bereits am Ende der vierziger Jahre in vielen Betrieben die Produktion wieder
anlief; und das in einem Umfang, der viele Auswärtige staunen ließ.
Jüngste Entwicklung
Seit 1969 ist Bielefeld Universitätsstadt. Im Westen, unterhalb des
Teutoburger Waldes, entstand ein Gebäudekomplex, der alle Fakultäten unter einem Dach vereint.
Zentrale Begegnungsstätte ist dabei die gut 300 m lange "Große Halle". Die noch junge
Bielefelder Universität genießt mittlerweile einen hervorragenden Ruf in der deutschen
Hochschullandschaft. Eine weitere einschneidende Veränderung für die Stadt brachte die
kommunale Neuordnung 1973. Der Landkreis Bielefeld wurde aufgelöst. Bisher selbständige
Kommunen wurden zu neuen Stadtbezirken der jetzt kreisfreien Stadt.
Mit der Gebietsreform wuchs die Einwohnerzahl auf über 300.000 an. Die typische Struktur einer
natürlich gewachsenen Großstadt fehlt Bielefeld. Die einzelnen neuen Stadtbezirke besitzen bis
heute noch viele Merkmale einer in sich funktionierenden Stadt. Dies gilt besonders für
Jöllenbeck, Schildesche, Heepen, Brackwede und Sennestadt.
Die Sennestadt blickt dabei auf eine besonders kurze Geschichte zurück. In der Nachkriegszeit
mußte das Problem der Wohnungsnot rasch gelöst werden. In der Senne vor den Toren Bielefelds
fand man genügend Freiraum zur Bebauung. So entstand ab 1956 mit der Gemeinde Senne II ein
neues, modernes Wohngebiet. 1965 wurde die stetig wachsende Gemeinde von der Landesregierung
zur Stadt, genauer gesagt zur Sennestadt, ernannt. Seit 1973 gehört auch sie zur Großstadt
Bielefeld.
1991 brach für Bielefeld ein neues Verkehrszeitalter an. Nach über zwanzigjähriger Bauzeit
wurde die Bielefelder Stadtbahn eröffnet. Kernstück ist dabei eine knapp fünf Kilometer lange
Tunnelstrecke im Innenstadtbereich. Der weitere Ausbau der unterirdischen Streckenführung ist
für die nächsten Jahre vorgesehen.